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HDE-Prognose: Einzelhandel erwartet 129,2 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft 2026
Der deutsche Einzelhandel geht trotz anhaltend schwacher Konsumlaune von einem stabilen Weihnachtsgeschäft aus. Für November und Dezember 2026 prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE) ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr – die Erlöse der beiden Schlussmonate lägen damit bei insgesamt 129,2 Milliarden Euro, nach 126,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Das teilte der Verband am 3. November in Berlin mit.
Preisbereinigt bleibt von dem Plus deutlich weniger übrig: Real rechnet der HDE lediglich mit einem Zuwachs von 1,0 Prozent zum Vorjahr. HDE-Präsident Alexander von Preen zeigte sich dennoch zuversichtlich. „Das Weihnachtsgeschäft bleibt trotz eines schwierigen Umfelds und vieler Ungewissheiten stabil, Weihnachten zeigt sich krisenfest", sagte von Preen. Es gebe Anzeichen dafür, dass Weihnachten der Krise trotzen könne.
Die Prognose stützt sich unter anderem auf eine repräsentative, vom HDE beauftragte Verbraucherumfrage des Handelsblatt Research Institutes unter gut 2.000 Personen. Demnach wollen die Kunden ihre Ausgaben für Geschenke auf Vorjahresniveau halten: Im Durchschnitt plant jeder Verbraucher, 262 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben – ein Euro weniger als 2025, als es 263 Euro waren. Mehr als die Hälfte der Befragten will genauso viel ausgeben wie im Vorjahr, zehn Prozent planen höhere Ausgaben, 24 Prozent wollen ihren Geschenkeetat kürzen. 28 Prozent der Befragten geben demnach weniger als 100 Euro aus. 74 Prozent erledigen ihre Geschenkekäufe größtenteils in den Monaten November und Dezember.
Onlinehandel ist der Wachstumstreiber
Das Wachstum kommt der Prognose zufolge erneut aus dem E-Commerce. Der Onlinehandel dürfte seine Weihnachtsumsätze nominal um 4,1 Prozent gegenüber 2025 auf 23,1 Milliarden Euro steigern, so der HDE. Im Gesamtjahr 2026 werde der Umsatz im E-Commerce um 4,4 Prozent auf gut 96 Milliarden Euro zulegen.
Für den gesamten Einzelhandel erwartet der Verband 2026 nominale Erlöse von 697,4 Milliarden Euro, was einem Plus von 2,0 Prozent gegenüber den 683,7 Milliarden Euro des Vorjahres entspräche. Ohne Preissteigerungen liege der Anstieg bei real 1,0 Prozent und damit etwas höher, als der Verband im Sommer noch angenommen hatte. Als Grund nennt der HDE die Inflationsentwicklung: Die Teuerung sei zuletzt schwächer ausgefallen als befürchtet. Der stationäre Handel soll der Prognose zufolge 2026 auf 601,1 Milliarden Euro kommen.
Das Gewicht der beiden Schlussmonate bleibt für die Branche hoch: Für viele Sortimente machen die Erlöse im November und Dezember mehr als 20 Prozent des gesamten Jahresumsatzes aus, bei Spielwaren sogar über 26 Prozent. Besonders beliebt bei den Geschenkekäufen bleiben der Umfrage zufolge Gutscheine, Spielwaren, Kosmetik und Bücher.
Nach Angaben des Verbands bleiben die Online-Marktplätze der wichtigste Kanal im deutschen E-Commerce. Der HDE-Online-Monitor, mit dem der Verband die Umsatzentwicklung im Fernabsatz fortlaufend begleitet, hatte bereits für das Gesamtjahr ein überdurchschnittliches Wachstum des Onlinehandels ausgewiesen. Die Entwicklung setzt den stationären Handel unter Druck: Während der E-Commerce im Gesamtjahr nominal um 4,4 Prozent zulegen soll, kommt der stationäre Bereich der Prognose zufolge nur auf ein Plus von 1,6 Prozent.
Für die Händler vor Ort bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Sie müssen die umsatzstarken Adventswochen nutzen, ohne auf das wachsende Onlinegeschäft verzichten zu können. Der HDE verweist in diesem Zusammenhang regelmäßig auf die Bedeutung vernetzter Angebote, bei denen stationäre Geschäfte und Onlinepräsenz zusammenwirken. Belegbare, auf das Weihnachtsgeschäft bezogene Wirkungsdaten nennt die aktuelle Mitteilung dazu allerdings nicht.
Zwischen Zuversicht und Skepsis
Wie gespalten die Erwartungen im Handel selbst sind, zeigt eine weitere, aktuelle HDE-Umfrage unter 300 Handelsunternehmen in ganz Deutschland. Demnach gehen 29 Prozent der Händler davon aus, dass sich die Kunden auch in schwierigeren Zeiten die Freude am Weihnachtseinkauf nicht nehmen lassen. Knapp ein Viertel ist sich sicher, dass der Kauf von Geschenken nicht unter der schlechten Stimmung leiden wird.
Gleichzeitig überwiegt im Nicht-Lebensmittelhandel der pessimistische Blick: 56 Prozent der dort befragten Unternehmen erwarten ein schlechteres oder deutlich schlechteres Weihnachtsgeschäft als im Vorjahr. Die Verbraucherstimmung hatte zuletzt spürbar nachgelassen – das Konsumklima war im Oktober eingebrochen, die Sparneigung lag auf einem Niveau, das zuletzt in Krisenzeiten gemessen wurde.
Einordnung der Prognose
Bei den Zahlen des HDE handelt es sich um eine Verbandserwartung, nicht um einen Messwert. Der Verband hat ein eigenes Interesse an einem zuversichtlichen Ton vor den umsatzstärksten Wochen des Jahres. Die aktuelle Prognose fällt zudem etwas optimistischer aus als die des Vorjahres: Für November und Dezember 2025 hatte der HDE noch ein Umsatzplus von 1,5 Prozent und Erlöse von 126,2 Milliarden Euro erwartet, was preisbereinigt einem Nullwachstum entsprochen hätte. Auffällig ist auch der Kontrast zwischen den stabilen Ausgabenplänen der Verbraucher in der Umfrage und der gedrückten Stimmung im Nicht-Lebensmittelhandel. Wie viel vom nominalen Umsatzplus nach Abzug der Preissteigerungen real übrig bleibt, werden erst die Umsatzdaten des Statistischen Bundesamts für November und Dezember zeigen, die Anfang 2027 vorliegen.
Hinzu kommt, dass die Verbraucherumfrage Absichten misst, kein tatsächliches Kaufverhalten. Dass mehr als die Hälfte der Befragten ihre Ausgaben stabil halten will, heißt nicht, dass sie es am Ende auch tut – insbesondere dann nicht, wenn die Sparneigung weiter auf Krisenniveau bleibt. Die Verbandszahlen geben damit eine Richtung vor, ersetzen aber nicht den Blick auf die tatsächlichen Kassendaten der Adventswochen.
Für Werbetreibende und Marken bedeutet die Prognose, dass sich der Wettbewerb um die Weihnachtsbudgets der Kunden erneut stärker in den Onlinekanal verlagern dürfte: Dort entsteht nach den Verbandszahlen das gesamte erwartete Wachstum, während der stationäre Handel bestenfalls stagniert. Wer in den kommenden Wochen Werbebudgets plant, steht vor der Frage, wie viel davon in digitale Kanäle fließt – und wie viel Präsenz vor Ort noch tragen muss.
Quellen
- Handelsverband Deutschland (HDE): „Prognose: Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel trotzt der Krise", Pressemitteilung vom 3. November 2026 — https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldungen/15420-hde-geht-fuer-november-und-dezember-von-2-umsatzplus-aus-prognose-weihnachtsgeschaeft-im-einzelhandel-trotzt-der-krise
- Handelsblatt Research Institute: Verbraucherumfrage zum Weihnachtsgeschäft 2026 im Auftrag des HDE (2.000 Befragte)
- Reuters: „Handel peilt zum Jahresendspurt Umsatzplus an – Weihnachten kann Krise trotzen", Bericht vom 3. November 2026
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Umsatz des Einzelhandels, laufende Monatsergebnisse — https://www.destatis.de






