Halloweengeschäft 2026: Einzelhandel erwartet 537 Millionen Euro Zusatzumsatz

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Der deutsche Einzelhandel rechnet in diesem Jahr zu Halloween mit deutlich mehr als 500 Millionen Euro zusätzlichem Umsatz. Das geht aus der aktuellen Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) hervor, die der Verband am 20. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Demnach erwarten die Händler für das Geschäft rund um das Gruselfest Umsätze in Höhe von 537 Millionen Euro – ein Plus von rund 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist das Ergebnis vor allem vor dem Hintergrund der aktuell schwachen Konsumstimmung in Deutschland.

Für die Untersuchung hat das IFH Köln im Auftrag des HDE im Oktober 2026 eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage unter mehr als 1.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren durchgeführt. Längerfristig betrachtet hat Halloween demnach deutlich an Bedeutung gewonnen: Die Umsätze liegen in diesem Jahr voraussichtlich um 69 Prozent über dem Niveau von 2019.

„Halloween löst im Einzelhandel alles andere als Furcht aus, denn das Gruselfest bleibt für viele Handelsunternehmen ein wichtiger Umsatzimpuls“, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth laut Pressemitteilung des Verbands. „Die Umsätze werden 2026 voraussichtlich sogar etwas über dem Vorjahresniveau liegen, was angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen für den Konsum durchaus überrascht und als positives Signal der Stabilität zu werten ist.“ Halloween habe sich „längst einen festen Platz im Einzelhandelsjahr in Deutschland erarbeitet“, so Genth weiter.

Weniger Käufer, höhere Ausgaben je Person

Die Zahlen zeigen allerdings eine differenzierte Entwicklung. Der Anteil der Menschen, die Ausgaben zu Halloween planen, geht leicht zurück: Gaben im Vorjahr noch 15,2 Prozent der Befragten an, für das Fest Geld ausgeben zu wollen, sind es in diesem Jahr 14,9 Prozent. Das Umsatzplus kommt damit nicht von mehr Käufern, sondern von höheren Ausgaben derjenigen, die Halloween begehen.

Auch bei der Verteilung der Ausgaben gibt es laut HDE Verschiebungen. Nur bei Süßwaren und Schminke wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Jahr weniger Geld ausgeben als im Vorjahr. Höhere Ausgaben sind dagegen bei Dekorationsartikeln, sonstigen Lebensmitteln und Getränken geplant. Der Verband deutet dies als Hinweis, dass Halloween zunehmend als Anlass für Feiern im privaten Kreis genutzt wird – weniger als Kostüm- und Schminkfest, mehr als Gelegenheit für gemeinsame Abende mit selbst dekoriertem Zuhause.

Methodisch beruht die Prognose auf einer Befragung zu geplanten Ausgaben, nicht auf nachträglich gemessenen Kassenumsätzen. Halloween fällt in diesem Jahr auf einen Samstag, was dem stationären Handel am letzten Oktoberwochenende zusätzlichen Kundenverkehr bescheren dürfte. Die tatsächlichen Erlöse können daher von der Schätzung abweichen. Der HDE erhebt die Halloween-Zahlen seit mehreren Jahren in gleicher Form; der Vergleich über die Jahre ist dadurch belastbarer als die absolute Höhe des einzelnen Jahreswerts.

Kontrast zur gesunkenen Konsumstimmung

Die Halloween-Prognose fällt in eine Phase eingetrübter Verbrauchererwartungen. Das HDE-Konsumbarometer, das der Verband monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) auf Basis einer Befragung von 1.600 Personen erstellen lässt, war zu Beginn des Oktobers um 1,19 Punkte auf 93,51 Punkte gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat liegt der Indikator 2,74 Punkte niedriger. Vor allem die Anschaffungsneigung und die Einkommenserwartungen der Verbraucher hätten sich verschlechtert, teilte der HDE am 5. Oktober mit. Als belastende Faktoren nennt der Verband die zuletzt gestiegenen Energie- und Spritpreise sowie die Erwartung weiter steigender Inflation.

Auch der Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums zur wirtschaftlichen Lage, veröffentlicht am 14. Oktober 2026, verweist auf die geschwächte Konsumstimmung: Das GfK-Konsumklima sei für Oktober auf den niedrigsten Wert seit fünf Monaten gefallen, die Sparneigung der privaten Haushalte habe das Niveau der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erreicht. Zugleich stellte das Ministerium eine Zweiteilung fest: Während die verbraucherseitigen Indikatoren eintrübten, bewerteten die Händler selbst ihre Lage zuletzt positiver – das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel stieg im September auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Die preisbereinigten Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) waren im August um 1,3 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, nachdem sie im Juli um 3,2 Prozent gesunken waren.

Das Auseinanderlaufen von Händler- und Verbrauchersicht ist nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums vorerst kein Widerspruch: Die Händler bewerten ihre laufenden Geschäfte und Erwartungen besser, während die Haushalte ihre künftigen Einkommen und Anschaffungen skeptischer einschätzen. Welche Seite recht behält, entscheidet sich nach Angaben des HDE erst im weiteren Verlauf des vierten Quartals.

Saisonale Anlässe als Stabilisierungsfaktor

Vor diesem Hintergrund gewinnen saisonale Verkaufsanlässe für den Handel an Bedeutung. Feste wie Halloween bilden planbare Umsatzimpulse in einem Umfeld, in dem die allgemeine Konsumbereitschaft schwächelt. Das IFH Köln weist in seinen Handelsanalysen regelmäßig darauf hin, dass eventbezogene Einkäufe weniger stark von der allgemeinen Sparneigung betroffen sind als größere Anschaffungen, weil sie niedrige durchschnittliche Ausgaben je Käufer verbinden.

Ob die Stabilität des Saisongeschäfts auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft übertragbar ist, bleibt laut HDE offen. Der Verband hatte mit Blick auf das gesunkene Oktober-Konsumbarometer bereits eingeräumt, dass sich die Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft etwas eintrüben. Die Hoffnung, dass im letzten Quartal eine Stimulierung des privaten Konsums einsetzen könnte, sei durch die jüngste Entwicklung gedämpft worden. Das Weihnachtsgeschäft ist für den deutschen Einzelhandel der umsatzstärkste Abschnitt des Jahres; die dazugehörige HDE-Prognose steht üblicherweise im Spätherbst an.

Für Händler ergibt sich daraus nach Einschätzung des Verbands ein zweigeteiltes Bild: Kurzfristige, anlassbezogene Umsatzfenster wie Halloween funktionieren auch in schwierigen Konsumphasen, während die Grundstimmung der Verbraucher von Energiepreisen und Inflationserwartungen geprägt bleibt. Wie sich das Verhältnis von saisonalen Impulsen und allgemeiner Kaufzurückhaltung im vierten Quartal entwickelt, werden die nächsten Ausgaben des Konsumbarometers sowie die Weihnachtsprognose des HDE zeigen.

Quellen

  • Handelsverband Deutschland (HDE): „Trotz schwacher Konsumstimmung: Halloweengeschäft bleibt stabil“, Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026 — einzelhandel.de
  • Handelsverband Deutschland (HDE): „HDE-Konsumbarometer im Oktober: Verbraucherstimmung verschlechtert sich deutlich“, Pressemitteilung vom 5. Oktober 2026 — einzelhandel.de
  • HDE-Konsumbarometer Oktober 2026, erstellt vom Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des HDE — einzelhandel.de (PDF)
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Oktober 2026“, Monatsbericht vom 14. Oktober 2026 — bundeswirtschaftsministerium.de

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