ifo Geschäftsklima September 2026: Stimmung in den Chefetagen hellt sich weiter auf

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Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich im September den dritten Monat in Folge verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts stieg auf 89,9 Punkte, nach 88,8 Zählern im August, wie das Institut am 24. September mitteilte. Die Unternehmen beurteilten demnach sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate positiver als im Vormonat. Nach Einschätzung des Instituts setzt die deutsche Wirtschaft damit ihren Erholungskurs fort.

Der Anstieg fällt in eine Phase, in der die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin als schwierig gelten. Die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr bewegen sich nach Angaben des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) um rund 0,5 Prozent. Dass sich der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator dennoch über drei Monate hinweg aufhellt, dürfte für Marketingentscheider und Werbungtreibende von unmittelbarer Bedeutung sein: Das ifo Geschäftsklima gilt als verlässlicher Vorlaufindikator für Investitions- und Budgetentscheidungen der Unternehmen.

Der Index basiert auf rund 9.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Dienstleistungssektor, dem Bauhauptgewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel. Die Befragten beurteilen ihre gegenwärtige Geschäftslage als „gut“, „befriedigend“ oder „schlecht“ und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate als „günstiger“, „gleich bleibend“ oder „ungünstiger“. Aus den Salden beider Komponenten bildet das Institut den Mittelwert, der als Geschäftsklimaindex veröffentlicht wird.

Dritter Anstieg in Folge nach Frühjahrstief

Die jüngste Entwicklung markiert eine Trendwende gegenüber dem ersten Halbjahr. Im Juni hatte der Index noch bei 85,7 Punkten gelegen, im Juli stieg er auf 86,6 Punkte, im August auf 88,8 Zähler. Das ifo Institut begründete die Juli-Aufhellung vor allem mit deutlich besseren Geschäftserwartungen, während die Beurteilung der laufenden Geschäfte damals noch leicht nachgab. Im August korrigierten die Unternehmen nach Institutsangaben sowohl ihre Lageeinschätzung als auch ihre Erwartungen nach oben; zugleich habe die Unsicherheit in den Chefetagen weiter abgenommen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Erholung trotz eines erneuten Energiepreisanstiegs und anhaltender geopolitischer Spannungen fortsetzte, die nach Darstellung des Instituts die Einschätzungen in den Sommermonaten noch belastet hatten.

Uneinheitlich bleibt das Bild in den einzelnen Branchen. Für den Handel wies der zugehörige ifo-Teilindex zuletzt mit einem Saldo von minus 17,2 Punkten weiter auf eine angespannte Lage hin, wie aus den von Statista aufbereiteten Reihen des Instituts hervorgeht. Während die Gesamtwirtschaft also auf Erholungskurs ist, bleibt die Stimmung im Einzel- und Großhandel – also genau in der Schnittstelle zum Endverbraucher – eingetrübt. Für den Handelsstandort Deutschland ist das ein Hinweis darauf, dass die konjunkturelle Erholung bislang nicht bei den Konsumenten angekommen ist.

Werbewirtschaft zwischen Digitalwachstum und Stimmungseinbruch

Für den Werbemarkt ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild. Einerseits ist die Branche zuletzt robuster gewachsen als die Gesamtwirtschaft: Das Volumen der kommerziellen Kommunikation stieg 2025 um 2,4 Prozent auf rund 51,0 Milliarden Euro und überschritt erstmals die Marke von 50 Milliarden Euro, wie der ZAW in seinem Jahrbuch 2026 bilanziert. Die Netto-Werbeerlöse der erfassten Medien legten um 4,3 Prozent auf 27,90 Milliarden Euro zu. Getragen wurde die Entwicklung nach Verbandsangaben nahezu allein vom Digitalmarkt: Die Online-Werbeerlöse wuchsen um 13,1 Prozent, Display Ads einschließlich Videostreaming um 21,3 Prozent. Klassische Gattungen standen dagegen unter Druck – Print verlor 2,7 Prozent, lineares Fernsehen 9,2 Prozent, Radio und Audio gaben um 2,1 Prozent nach.

Andererseits hat sich die Stimmung in der Branche zuletzt deutlich eingetrübt. In der ZAW-Frühjahrsbefragung unter den 43 Mitgliedsverbänden sank der Stimmungswert auf 3,1 Punkte und setzte damit einen Negativtrend fort, nachdem die Stimmung in den beiden vorangegangenen Befragungen noch gestiegen war. Bei den Werbeinvestitionen gingen die Befragten überwiegend von stagnierenden Budgets aus, bei Werbeeinnahmen und Werbeumsätzen dominierten negative Erwartungen. Viele Medienhäuser begründeten ihre gedämpften Erlöserwartungen für 2026 mit Reichweitenverlusten durch KI-gestützte Suchangebote, die den klassischen Vermarktungsmodellen zunehmend zusetzen.

Die Konsumseite liefert wenig Gegenwind. Das Konsumklima war zuletzt spürbar eingebrochen, und die Sparneigung der Haushalte erreichte Werte, die zuletzt in Krisenphasen gemessen wurden. Solange Verbraucher ihre Ausgaben zurückhalten, dürften Unternehmen ihre Marketingbudgets eher am kurzfristigen Werbedruck als an strategischen Reichweitenzielen ausrichten – ein Muster, das in der Branche seit Monaten diskutiert wird. Für Agenturen und Mediahäuser bedeutet das: Nachfrage nach messbaren, performanceorientierten Formaten dürfte hoch bleiben, während klassische Markenkampagnen weiter um Budgets kämpfen müssen.

Was die Aufhellung für Marketingbudgets bedeutet

Ob die ifo-Aufhellung in steigende Werbebudgets mündet, ist offen. Historisch folgen Werbeinvestitionen dem Konjunkturklima mit Verzögerung; der ZAW warnt in seiner Jahresbilanz zugleich davor, aus der positiven Gesamtentwicklung eine strukturelle Entwarnung abzuleiten. Hohe Kostenbelastungen, schwache Investitionsdynamik und gedämpfter Konsum könnten den Werbemarkt 2026 ebenfalls erfassen, so der Verband. Eine insgesamt positive Entwicklung sei möglich, aber keineswegs selbstverständlich – Voraussetzung seien zeitnahe wirtschaftspolitische Reformen sowie eine nachhaltige Aufhellung von Investitionsklima und Konsumstimmung.

Für die Planung von Kampagnen im vierten Quartal bleibt der Befund daher ambivalent: Die sich aufhellende Unternehmensstimmung spricht dafür, dass Budgets im kommenden Jahr eher stabil bleiben oder leicht ausgeweitet werden. Die anhaltend schwache Verbraucherstimmung und die konzentrierte Verteilung des Wachstums auf digitale Segmente sprechen dagegen dafür, dass klassische Mediengattungen auch im neuen Jahr um Aufträge werden kämpfen müssen. Entscheidend wird sein, ob sich der Aufwärtstrend des ifo-Index im vierten Quartal bestätigt. Das nächste Stimmungsbild des Instituts erscheint am 26. Oktober; es wird zeigen, ob die Erholung der Unternehmensstimmung trägt oder ob der September-Wert ein Ausreißer nach oben war.

Auch methodisch ist die September-Aufhellung bemerkenswert: Der Index liegt damit zwar weiter unter seinem langfristigen Durchschnitt, hat sich aber vom Juni-Tief um mehr als vier Punkte entfernt. Konjunkturforscher werten eine solche Sequenz anhaltender Anstiege in der Regel als belastbareres Signal als einen einzelnen starken Monatswert – zumal beide Indexkomponenten, Lage und Erwartungen, gleichermaßen zugelegt haben.

Quellen

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