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Retouren 2026: Online-Händler verlagern den Kampf um die Rücksendequote
Die Retourenquote im deutschen Online-Handel bewegt sich 2026 in zwei Richtungen zugleich: Der Anteil der Händler mit einer artikelbezogenen Rücksendequote von mehr als 20 Prozent ist leicht gesunken, gleichzeitig berichtet ein wachsender Teil der Unternehmen von steigenden Quoten. Das geht aus der Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2026“ hervor, die das EHI Retail Institute Ende September vorgelegt hat. Für die Untersuchung wurden im Sommer 108 Online-Händler aus der DACH-Region befragt, der überwiegende Teil mit Hauptsitz in Deutschland.
Demnach liegt der Anteil der Händler mit einer artikelbezogenen Retourenquote von maximal zehn Prozent inzwischen bei 66,7 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die eine Quote von mehr als 20 Prozent verzeichnen, sank von rund 25 Prozent auf 23,6 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Händler, die von wachsenden Retourenquoten berichten, gegenüber dem Vorjahr von 14,7 auf 18,7 Prozent.
„Die höheren Retourenquoten sind in diesem Jahr rückläufig, was zu einer leichten Verschiebung hin zu niedrigeren Werten führt“, erklärte Niklas Stanislawski, Projektleiter Logistik beim EHI, bei der Vorstellung der Studie. „Insgesamt verschiebt sich der Fokus des Retourenmanagements von einer allgemeinen Kostenfrage hin zu einer zielgerichteten Ursachenanalyse und differenzierten Kontrolle.“
Fashion bleibt Spitzenreiter, Elektronik entspannt sich
Die Entwicklung fällt je nach Sortiment unterschiedlich aus. Fashion bleibt der Studie zufolge das retourenintensivste Segment: 2026 lagen 67,5 Prozent der befragten Modehändler bei einer artikelbezogenen Retourenquote von mehr als 20 Prozent, nach 65,3 Prozent im Vorjahr. Der Anteil der Händler mit Quoten über 50 Prozent ging zwar zurück, dafür verzeichneten mehr Unternehmen Werte im Bereich von 36 bis 50 Prozent.
Deutlich positiver entwickelte sich der Bereich Consumer Electronics. Dort stieg der Anteil der Händler mit einer Retourenquote von maximal zehn Prozent von 85,7 auf 94,5 Prozent. Eine Quote von mehr als 20 Prozent meldete in diesem Segment kein befragter Händler mehr; im Vorjahr waren es noch 4,8 Prozent.
Hintergrund ist das anhaltende Wachstum des Online-Handels insgesamt: Der Handelsverband Deutschland (HDE) beziffert das Umsatzplus des Onlinehandels im Jahr 2025 in seinem Online-Monitor 2026 auf 3,9 Prozent auf 92,3 Milliarden Euro netto, nach einem Plus von 3,8 Prozent im Vorjahr; der Onlineanteil am gesamten Einzelhandel stieg demnach auf 13,5 Prozent. Wächst der Umsatz weiter, steigt auch das absolute Rücksendevolumen – selbst bei stabilen oder leicht sinkenden Quoten.
Kostenlose Rücksendung wird wieder häufiger
Eine der deutlichsten Veränderungen der Studie betrifft die Frage, wer die Rücksendekosten trägt. 2026 übernahmen 60,6 Prozent der befragten Händler die Retourenkosten vollständig – im Vorjahr waren es 49,2 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die die Kosten vollständig an die Kundschaft weitergeben, sank im selben Zeitraum von 18,0 auf 10,6 Prozent.
Als Gründe für die Kostenübernahme nannten 76,2 Prozent der Händler Kundenzufriedenheit und Kundenbindung (Vorjahr: 54,5 Prozent); für 64,3 Prozent spielen Kundenerwartung und Wettbewerbsdruck eine Rolle. Die kostenlose Retoure wird den Angaben zufolge zunehmend als Instrument der Kundenkommunikation eingesetzt, obwohl sie den wirtschaftlichen Druck auf die Unternehmen erhöht.
Der Rücktransport bleibt mit 70,6 Prozent der Nennungen der am häufigsten genannte Kostentreiber der Retourenbearbeitung. Prüfung und Wiederaufbereitung wurden von 52,9 Prozent als größter Kostenfaktor genannt, nach 63,1 Prozent im Vorjahr. Bei den Bearbeitungskosten pro retourniertem Artikel geben gut 33 Prozent der Händler Aufwendungen von bis zu fünf Euro an, jeweils rund 20 Prozent beziffern sie auf fünf bis zehn beziehungsweise zehn bis 20 Euro. Mehr als ein Viertel der Befragten konnte die eigenen Bearbeitungskosten nach Angaben des EHI nicht einordnen.
Ursachenanalyse statt Pauschalgebühr
Die wissenschaftliche Begleitung des Themas liefert weitere Anhaltspunkte. Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg unter Leitung von Björn Asdecker hatte in einer früheren Erhebung ermittelt, dass in Deutschland im Jahr 2021 rund 530 Millionen Pakete mit 1,3 Milliarden Artikeln an die Absender zurückgingen; dahinter stand ein über das Internet generierter Verkaufswert von rund 99 Milliarden Euro. Aus Sicht der Forschungsgruppe liegt das Potenzial zur Senkung der Quoten vor allem in einer funktionierenden Online-Größenberatung und in einheitlicheren Größenangaben der Hersteller. Datenanalyse und bereits vorhandene Technologien wie die Körpervermessung per Smartphone-Kamera könnten dazu beitragen, so Asdecker.
Auch der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) beobachtet eine Verschiebung: In seinem Retourenkompendium, herausgegeben von Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein, verweist der Verband darauf, dass Unternehmen ihre Retourenprozesse optimiert und frühere Datenlücken geschlossen hätten. Zudem seien rund um die Rücksendung neue Re-Commerce-Geschäftsmodelle entstanden, die Wege einer Kreislaufwirtschaft im E-Commerce aufzeigten.
Zur Größenordnung der Kosten liefert die Bamberger Forschungsgruppe ältere, aber weiterhin referenzierte Werte: In einer früheren Erhebung bezifferte sie die durchschnittlichen Kosten einer Retourensendung auf 19,51 Euro, etwa die Hälfte davon entfiel demnach auf den Transport. Den Angaben zufolge wurden 79 Prozent der zurückgesandten Artikel wieder als A-Ware verkauft, 13 Prozent als B-Ware; rund vier Prozent der Artikel seien entsorgt worden, weil ein Weiterverkauf nicht möglich oder die Aufbereitung zu kostspielig gewesen sei.
Für Händler ergibt sich aus den aktuellen Daten ein differenziertes Bild: Die pauschale Kostenfrage tritt den Studien zufolge hinter der Frage zurück, welche Sortimente, Produktinformationen und Prozesse die Rücksendungen tatsächlich verursachen. Wer die Retourengründe erfasst und auswertet, kann nach Einschätzung der Studienautoren gezielter gegensteuern als mit generellen Gebühren oder pauschalen Verschärfungen der Rückgabebedingungen. Das EHI weist in seiner Zusammenfassung zudem darauf hin, dass Händler verstärkt auf Daten und digitale Maßnahmen setzen, um Rücksendungen zu steuern – ein Ansatz, der sich mit den Empfehlungen der Bamberger Forschung zur besseren Produktinformation und Größenberatung deckt.
Quellen:
- EHI Retail Institute: Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2026“ – ehi.org
- Handelsverband Deutschland (HDE): Online-Monitor 2026 – einzelhandel.de
- Universität Bamberg, Forschungsgruppe Retourenmanagement: Maßnahmen gegen massenhafte Rücksendungen im Onlinehandel – uni-bamberg.de
- Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh): Retourenkompendium – bevh.org






