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Online-Handel 2026: Umsätze steigen im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent
Die Umsätze im deutschen Online-Handel haben sich im ersten Halbjahr 2026 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erhöht. Allein im zweiten Quartal betrug das Plus 5,1 Prozent. Das geht aus der Studie „Interaktiver Handel in Deutschland“ hervor, die der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) Anfang Juli vorgelegt hat. „E-Commerce ist zur wichtigsten Stütze des deutschen Handels in diesem äußerst schwachen Konsumumfeld geworden“, erklärte Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des bevh. Reine Onlinehändler, Multichannel-Anbieter und Händler auf Marktplätzen hätten im zweiten Quartal alle an diesem Wachstum teilhaben können, sagte Groß-Albenhausen. Zugleich vereinten Plattformen und insbesondere Anbieter aus dem asiatischen Raum immer mehr Marktanteile auf sich.
Nach Angaben des Verbandes setzte der E-Commerce mit Waren im zweiten Quartal 21,19 Milliarden Euro um, nach 20,16 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Den Zahlen liegt eine wöchentliche Verbraucherbefragung zugrunde, für die von Januar bis Dezember insgesamt 40.000 Personen ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel befragt werden; durchgeführt wird die Studie nach Verbandsangaben von der BEYONDATA GmbH. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse basieren auf der Auswertung des Zeitraums vom 1. April bis zum 30. Juni 2026.
Rechnet man digitale Dienstleistungen hinzu, ergibt sich für den gesamten interaktiven Handel im zweiten Quartal ein Umsatz von 25,52 Milliarden Euro, nach 24,18 Milliarden Euro im Vorjahresquartal – ein Plus von 5,6 Prozent. Digitale Dienstleistungen, zu denen der Verband unter anderem Reisen und Ticketing zählt, steigerten sich dabei um 8,2 Prozent auf 4,21 Milliarden Euro. Der Anteil des Online-Geschäfts am interaktiven Warenhandel liegt laut Studie bei 99,5 Prozent; klassische Bestellwege wie Fax oder schriftliche Bestellungen spielen den Angaben zufolge nur noch eine sehr geringe Rolle.
Waren des täglichen Bedarfs wachsen zweistellig, Möbel verlieren
Den Angaben zufolge stiegen die Umsätze mit Waren des täglichen Bedarfs um 10,1 Prozent und bildeten damit den Bereich mit dem stärksten Zuwachs. Drogeriehändler steigerten ihre Umsätze um 11,7 Prozent; Versandapotheken verzeichneten mit Medikamenten ein Plus von 13,9 Prozent – nach Aussage des Verbandes das stärkste Umsatzwachstum mit dieser Warengruppe seit Einführung des E-Rezepts. Ebenfalls zweistellig wuchsen DIY & Blumen mit 10,9 Prozent. Hobby- und Freizeitartikel legten um 7,5 Prozent zu, Auto- und Motorradzubehör um 7,6 Prozent.
Der Modehandel, den der Verband als besonders wichtige Warengruppe bezeichnet, steigerte sein Online-Plus im zweiten Quartal auf 4,4 Prozent, nach 3,6 Prozent im ersten Quartal. Deutlich hinter dem Gesamtmarkt blieben dagegen die Cluster Unterhaltung und Einrichtung mit jeweils 2,7 Prozent. Möbel, Lampen und Dekorationen verloren im zweiten Quartal 2,1 Prozent; auf Halbjahressicht liege diese Warengruppe nominal, also nicht inflationsbereinigt, wegen eines stärkeren ersten Quartals noch leicht im Plus, hieß es in der Verbandsmitteilung.
Marktplätze wachsen überdurchschnittlich, asiatische Anbieter bei 5,3 Prozent
Nach Vertriebsformen aufgeschlüsselt profitierten erneut die Online-Marktplätze: Sie steigerten ihre Umsätze um 6,4 Prozent und kamen zur Jahresmitte auf 11,5 Milliarden Euro. Herstellerversender legten um 6,3 Prozent zu. Klassische Onlineshops wuchsen um 3,8 Prozent, Multichannel-Händler mit Ursprung im stationären Handel um 2,5 Prozent; beide Gruppen liefen den Entwicklungen im Markt damit weiter hinterher, so die Einschätzung des Verbandes.
Der Anteil der größten asiatischen Plattformen an den Umsätzen im gesamten E-Commerce stieg der Studie zufolge zur Jahresmitte auf 5,3 Prozent. Damit entfalle bereits jeder zwanzigste Euro im Online-Handel auf Temu, Shein, AliExpress oder weitere Anbieter aus Asien, teilte der bevh mit. Im Online-Modehandel vereinen asiatische Plattformen den Angaben nach inzwischen mehr als 16 Prozent aller Bestellungen auf sich; ihr Umsatzzuwachs liege mit mehr als 20 Prozent deutlich über dem Marktwachstum.
Vom 3-Euro-Pauschalzoll, der seit dem 1. Juli für jede Warengruppe (Zolltarifposition) in Sendungen unter 150 Euro erhoben wird, die aus Drittstaaten an Endverbraucher gehen, erwartet der Verband wenig Wirkung. „Billigimporten aus Asien wird die Abgabe wenig anhaben“, sagte Alien Mulyk, seit 1. Juli Hauptgeschäftsführerin des bevh. Die Anbieter hätten bereits begonnen, eigene Logistikstrukturen innerhalb Europas aufzubauen; Waren gelangten dann nicht mehr in kaum zu kontrollierenden Einzelpaketen, sondern als Container nach Europa und würden anschließend innereuropäisch versendet.
KI bereitet Einkäufe vor – bezahlen lassen will kaum jemand
Auch zur Rolle Künstlicher Intelligenz im Online-Handel liegen Zahlen vor. Fast sechs Prozent der Onlinekäufer hätten KI-Anwendungen bei der Informationssuche vor dem Kauf genutzt, berichtet der Verband. In den Altersgruppen der 14- bis 29-Jährigen und der 30- bis 39-Jährigen habe bereits mehr als jeder zehnte Besteller Werkzeuge wie ChatGPT oder Gemini zur Unterstützung eingesetzt.
In einer Sonderbefragung von 2.500 Onlinekunden im zweiten Quartal gab nach Verbandsangaben fast jeder Dritte (31,2 Prozent) an, schon einmal Chatbots nach Produktempfehlungen gefragt zu haben; etwas mehr als die Hälfte hatte damit noch keine Berührung. Nur 12,7 Prozent stimmten der Aussage „voll und ganz“ oder „weitgehend“ zu, einer Produktempfehlung durch einen Bot ohne zusätzliche eigene Produktsuche direkt zu folgen.
Deutliche Zurückhaltung zeigt die Studie beim automatisierten Bezahlen: Einem KI-Agenten Zugang zu den eigenen Bezahldaten zu geben, sei für mehr als zwei Drittel der Befragten (68,6 Prozent) derzeit „völlig undenkbar“. Lediglich neun Prozent wären zum jetzigen Zeitpunkt bereit, KI-Agenten den autonomen Einkauf zu erlauben.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) einer Auswertung seiner Handelsprognose zufolge mit einem Wachstum des E-Commerce um 4,3 Prozent; für den stationären Handel wird ein Plus von 1,6 Prozent erwartet. Der Online-Handel wächst demnach spürbar schneller als der stationäre Handel, bleibt nach Einschätzung der Verbände aber von der allgemein schwachen Konsumstimmung abhängig.
Quellen
- Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh): „Erste Halbzeit im Onlinehandel: Kaufneigung der Deutschen kehrt zurück“, Marktdaten zur Jahresmitte 2026 – bevh.org
- bevh-Pressemitteilung über news aktuell: „Erste Halbzeit im Onlinehandel: Kaufneigung der Deutschen kehrt zurück“ – presseportal.de
- Handelsverband Deutschland (HDE), Handelsprognose 2026, dargestellt im Fachartikel „E-Commerce 2026: Wachstum nutzen, richtig positionieren“ – seo-kueche.de






